Gewalt ist ihre Dröhnung

Zu den Ausschreitungen bei den Blockupy-Protesten anläßlich der EZB-Einweihung in Frankfurt am 18.3.2015

Hooligans mögen sich vereinzelt für Fußball interessieren, oder für die Stadien in denen gespielt wird, haben aber mit dem Sport an sich wenig am Hut. Sie sind nicht „sportlich“, nicht im Sinne des deutschen Sprachgebrauchs, noch weniger im angelsächsischen Sinne des Wortes.
Sie haben mit Fußball „als Spiel“ nichts zu tun, auch wenn sie Fußballspiele als Anlass ihrer Gewalttaten missbrauchen.
Menschen, die Polizei und Feuerwehr angreifen, oder Asylantenheime überfallen, die mögen sich dazu Orte aussuchen, an denen politisch protestiert wird, oder dort auch scheinbar politische Sprüche absingen, sie haben mit dem jeweiligen politischen Standpunk, zunächst mal wenig zu tun.

Mittwoch, am Nachmittag, Stunden nach dem Autos brannten und Hilfskräfte von Feuerwehr und „Erster Hilfe“ angegriffen wurden, nachdem auch der Blockupy-Bewegung wohl gesonnene, mehr Überblick haben als vormittags, in der Hitze der Ereignisse, kann man in der Presse recht einheitlich über eine breite Ablehnung lesen, und auch die meisten überzeugten -Linken- zeigen sich verschreckt.
Auch Blochupy selbst spricht vorsichtig von „distanzieren wir uns“, was man aber einen Tag später widerruft. Man fragt sich auch warum man da so wenig von gesehen hat, vom distanzieren.
Mir persönlich etwas zu bieder und selbstgerecht „ja, was haben wir damit zu tun“, auch fällt vereinzelt das Wort von einer sehr aggressiven Polizei.

Donnerstag, so vormittags bis zum frühen Nachmittag, schien immer noch, allgemein ein Konsens zu herrschen, dass die Gewaltaktionen falsch und zu verurteilen wären. Grüne, gemäßigte Linke, eine Vielzahl von Kommentatoren … ich fand das sehr beruhigend. Fand die verstörenden Ansagen einzelner Blockupy-Sprecher und Aktivisten, vor dem Hintergrund breiter Ablehnung blöd, aber gerade noch verkraftbar. Von „innen“ ist es oft schwer, die Übersicht zu haben und wer sagt schon gerne, dass die eigenen Leute Mist gemacht haben.

Dann meldet sich auf einmal, die von mir sonst so sehr geschätzte Frau Weissband, der Jakob Augstein, und andere Politiker und Journalisten … ich sag es einfach mal, aus der dritten und vierten Reihe zu Wort, und machen genau das, was die Linke, immer wenn es um Gewalt von Rechts geht „relativieren“ nennt.
Ja, das in Frankfurt sei Gewalt, und es sei irgendwie schade, aber …
– es sei Gegengewalt
– es sei eben so Öffentlichkeitswirksam
– es wäre eben so viel Polizei da gewesen, das provoziere halt
– besser es brennen Autos als Asylanten …
usw.

Ich war nie ein Wutbürger. Das nicht mein Ding. Das empathische „Empört Euch“ von Hessel fand und finde ich immer noch, wunderbar, aber zum empören würden bei mir nie Steine gehören.

Aber solche Empathielosigkeit, den oft jungen Polizisten gegenüber, die nimmt mir den Atem.
Es wird dann kolportiert, die Mehrzahl der verletzten Beamten, wären Opfer des eingesetzten eigenen Reizgases geworden, ich vermute, auch die Autos haben sich aus Solidarität selbst angezündet.

Unser Anspruch an die politische Kaste, also Politiker und politische Journalisten, geht in Richtung Wahrheit und Verantwortung.
Mit Kritik an sich selbst, geht Blockupy nicht sehr verantwortungsvoll um.
Egal ob ich an ehemalige Bundespräsidenten, oder an ehemalige Verteidigungsminister denke, es waren nicht die Taten, es war immer das Krisenmanagement, dass sie zu Fall brachte.

Ob wirklich, wie oft behauptet wird, die IL (Interventionistische Linke) – Leute längst Blockupy in Geiselhaft genommen haben, ob ganz andere Gruppen dahinter stecken, ich weiss es nicht – ich weiß nur, die Bevölkerung, die bringt man so nicht auf seine Seite.
Aber, vielleicht will man das ja auch schon lange nicht mehr, folgt nur der eigenen Dröhnung, die einen weil sie politisch einfach schlicht gestrickt sind, die anderen weil sie den Kontakt zur Realität verloren, oder freiwillig aufgegeben haben.

Blockupy scheint heute ein geschlossener Block von Menschen, für die Gewalt eben doch eine Lösung ist.
Man erreicht sie verbal so wenig, wie man Rechtsradikale erreicht.
Das mag nicht für alle gelten, gilt aber für jeden, der Gewalt sieht – und dafür wohlfeile „Erklärungen“, letztlich Rechtfertigungen zur Hand hat.

Stehen wir auf gegen Gewalt – und da kann dann der einzelne Blockupy-Aktivist, gerne mit machen.