Welchen Sinn hat ein Wahl-o-mat II – worin liegt das „Andere“?

Was will ich vom Wähler wissen?

Auf umständliche Weise, ist das die Frage nach der Kritik am Wahl-o-mat die da gestellt wird. Warum ein weiteres Abstimmtool, wenn doch das vorhandene ständig an neue Wahlen angepasst – und auch verfeinert wird.

Neben allen in der Vergangenheit zum Thema geäusserten kritischen Fragen – diese Teilweise auch ergänzend, geht es mir in erster Linie um eine "alternatives Fragekonzept" – und um eine vielleicht etwas "lockerere" Auswertung.
Das kann – weil der Neutralitaet verpflichtet, ein behördlich gefördertes Tool zwangsläufig nicht leisten.
Meine persönliche Hauptkritik am Verfahren ist, das die Selbstaussage der Parteien derart Ernst genommen wird.
Im realen Leben wissen wir alle – Wahlwerbung und Parteiprofil haben oft wenig miteinander zu tun.
Politische Parteien sind kein Hort familieärer Beschaulichkeit, oder feministischem Fortschritts, wie uns ja viele Wahlplakate glauben machen –

Auch wirk keine Partei sich selbst als "unsozial" oder "rassistisch" darstellen.

Es gibt in – bzw. für – jede Partei ganz unterschiedliche "Bilder".
Da ist das im Parteiprogramm festgelegte Bild, da ist das Bild das die "reale Belegschaft"
also die in der Partei wichtigen, und das parteiinterne Fussvolk abgeben.
Da ist das Bild das man vor einem Wahlkampf gerne vermittelt, und da ist das Bild das jedes Parteimitglied selbst von der Partei hat.
Und zuletzt das Bild der realen Politik – so die Partei die Möglichkeit hat, selbst "Politik zu machen".

Ohne die Parteien als "verlogen" diffamieren zu wollen, scheint es als wenn besonders zwischen Wahl(-kampf-)programmen und realer Parteipolitik, Welten lägen.
Sicher gibt es für diese Diskrepanzen einleuchtende Erklärungen (oder auch, bei den grossen Parteien – Enschuldigungen. Mal ist es die Situation die man unverschuldet übernommen hat, mal ist es der Koalitionspartein – oder die fehlenden Mehrheiten in rivalisierenden Gremien, z.B. im Bundesrat.

Viele von uns kennen die Neigung, sich auszumalen, was man täte, wenn man mehrere Millionen  (Euro) zur Verfügung hätte. Da werden  ichbezogene, aber auch soziale Projekte bei sein,  die sich lediglich  darin ähneln, nie Realität zu werden.
Und mancher wird  schon seinen Lebenspartner, die  Eltern oder andere  "Verantwortliche" mit einer Liste von Wohltaten überrascht haben,  die man vom Adressaten  eigentlich doch immer schon erwartet hat.
Die "Wenn-ich-es-hätte"-Liste entspricht wohl dem Parteiprogramm, die  "Wohltatenliste" dem Wahlprogramm.

Wie nun,  sieht  –  neben diesen eher utopischen Papieren   – ein konkreter Plan für die nächste Woche aus.
Was kann eine Partei  leisten,  was kann ein Wähler erwarten –  und was sollten wir alle uns nicht mehr bieten lassen.

Ein  "anderer"  Wahl-o-mat  wird keines der Probleme lösen,  keine Frage wirklich beantworten –
aber vielleicht helfen die Frage präziser zu formulieren.

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